Laudatio zur Ausstellung

„ Der Wind bringt das Lächeln “

Galerie Mitte, Dresden

 

Wieland Richter, der unverbesserliche Naturromantiker, verführt den Betrachter mit fließender, atmosphärischer Farbigkeit. Er ist harmoniesüchtig und bekennt sich dazu. Er ist einer jener sympathischen Unbelehrbaren, die stereotypem Nützlichkeitsdenken mit einer Flut von sinnlichen Bildwerken begegnen,

indem er seine Sehnsucht ins Anderswo mit Archetypen und Farben entfesselt, seine Lust zu leben und zu träumen. Und so manifestiert sich eine Begegnung mit dem Unsichtbaren, dem Gefühlten und schließlich Erkannten. Auf dem steinigen Weg vom Vorbildlichen zum Urbildlichen fühlt er sich nicht an die Wahrnehmungswelt gebunden, weil er an diesen Formenden nicht das Wesen des natürlichen Schöpfungsprozesses sieht.

Ohne es vordergründig zu wollen, ist er ein malender Philosoph, der keine Angst vor Pathos und Empathie hat. Und wenn er nicht, wie die Optimisten, diese Welt für die beste der Welten erklärt und auch nicht sagen will, diese uns umgebende Welt sei zu schlecht, so sagt er sich doch, in der ausgeformten Gestalt ist sie nicht die einzige aller Welten.

Somit verleiht der Künstler der Schöpfung Dauer.

Vielfach offene Formen tauchen aus dem Malgrund auf, die in fließender Bewegung sind, aus denen sich noch alles entwickeln kann. Form ist ein Mysterium, wie das Ursprüngliche auch.

Wieland Richter folgt seiner Intuition, um aus dem geordneten Chaos des reglementierten Alltags auszubrechen – und zwar mit Farben, die sich in leuchtenden Bahnen, inneren Gesetzmäßigkeiten folgend, ausbreiten: lichttrinkend, mitreißend, entschwebend, bodenständig, hart und weich, klingend und atmend. Es sind mitunter Farben, die einem informellen Grundgestus folgen, die Krusten geheimnisvoller Erinnerung in sich tragen. Was sich auch immer an Erlebtem in ihm festsetzt, Dinge der Außenwelt tauchen verwandelt wieder auf.

Und dabei kann ich keine ironischen oder anklagenden Klangfarben entdecken. Eher ist Wieland Richter imstande, einen Schimmer von Versöhnung über die frustrierenden, tagtäglichen Anstrengungen zu legen. Zudem sind seine Bildwerke weit entfernt von didaktischer Untergangsdrohung und zivilisationsfeindlicher Sentimentalität.

Aus ihnen tönt eher ein Lied auf die naturverbundene Überlebenskraft der Menschen.

Wenngleich Wieland Richter ein Träumer ist, so ist er doch einer mit Realitätssinn.

In der Abgeschiedenheit seines Ateliers in Putzkau fallen seine Bildwerke in diese Welt . Alles, was sich malend auf den Leinwänden verselbständigt, erscheint aus sich selbst heraus notwendig.

Das künstlerische Arbeiten ist ein Prozess und dabei ist Farbe das große Abenteuer, in das die Arbeiten den Maler und später auch den Betrachter locken.

Der Kampf mit der Natur, der Kampf mit sich selbst, das Spiel mit eigener und vorgegebener Kraft und die Vision auf Ausgleich sind ohne jegliches Versprechen in den Malereien nachzuempfinden.

Frei von Gefallssucht ist sein Werk ein direkter Reflex auf eine sich selbst zerstörende, mitunter menschenfeindliche Welt. Sie spiegelt das Leben mit seinen Unwägbarkeiten und Sehnsüchten im immer währenden Kreislauf von Werden, Wachsen und Vergehen. Ich habe schon einmal 2005 zur Eröffnung einer Ausstellung Wieland Richters im Kleinen Haus den Regisseur Aki Kaurismäki zitiert und möchte es heute noch einmal tun:

 

„Der Sinn des Lebens besteht darin, einen persönlichen Moralkodex zu entwickeln, der die Natur und den Menschen respektiert und schließlich – ihn zu leben.“

 

Karin Weber

6.12.2012